LESEPROBE
Esperanza (Aus: Caprice 01 – Fantastische Kurzgeschichtent)
»Alles in Ordnung, mein Liebster«, rief sie ihm zu und nahm ihn bei der Hand. »Jetzt musst du nur noch zur Untersuchung – und dann haben wir die Einreiseformalitäten überstanden.«
»Was für eine Untersuchung?«, fragte Liam erstaunt.
»Nichts weiter, reine Routine, wegen Quarantäne und so. Sie wollen sicher gehen, dass du gesund bist, wenn du in unser Land kommst.«
Liam kam das zwar etwas seltsam und ungewöhnlich vor, aber was sollte er machen. So ging er mit Bella einen Gang entlang, wo ihnen schon eine junge Frau entgegenkam und sie begrüßte. Diesmal musste Bella in einem Wartezimmer Platz nehmen und Liam wurde von der medizinischen Angestellten, die sie wahrscheinlich war, in den Untersuchungsraum geführt, der entfernt an ein großes Arztzimmer erinnerte. Dort wurde er von zwei Frauen in weißen Kitteln auf Herz und Nieren gecheckt: Blutproben, Blutdruck, Abhören, Abklopfen und Belastungs-EKG standen auf der Agenda. Zu Beginn sollte der junge Mann sich völlig entkleiden. Sein anfängliches Zögern beim Ausziehen quittierte eine der Weißkittelfrauen mit der Frage: »Oder sollen wir das übernehmen?« Unübersehbar standen zwei uniformierte und bewaffnete Frauen an der Tür. Offenbar hatte Liam keine Wahl.
Nach den medizinischen Untersuchungen meinte die jüngere der Weißbekittelten: »Jetzt brauchen wir nur noch ein Spermiogramm.« Ehe er das richtig verstanden hatte, entledigte sie sich ihres Kittels und stand auf einmal splitternackt vor ihm. Ihre makellose Schönheit ließ seinen Körper die Angst vergessen und die gewünschte Wirkung zeigen. Nach wenigen geschickten Handgriffen beider Frauen landete die von ihnen begehrte weißliche Flüssigkeit in einem Glas.
Liam kam sich sehr benutzt vor, konnte das Geschehen überhaupt nicht einordnen. Zum Abschluss verabreichten sie ihm noch eine kleine grüne Pille und dann war er entlassen. Als er Bella fragte, wozu sie von ihm ein Spermiogramm haben wollten, zuckte sie nur die Schultern und meinte lapidar: »Der Zustand der Spermien sagt doch viel über die Männergesundheit aus – oder?«